Ratsherr Stefan Weber ist für den Erhalt der Telefonzellen in Amelsbüren
Geradezu rührend klingt es, wenn die Linken sich nach den Zeiten zurücksehnen, in denen Vater Staat überall mitmischte. Die Privatisierung einstiger Staatsunternehmen war demnach ein schwerer Fehler. Jetzt lobte der Linken-Vertreter in der Bezirsvertretung HIltrup, Hubertus Zdebel, ausdrücklich die Zeiten, als die Deutsche Post das Monopol im Telefongeschäft hatte.
Anlass ist die angekündigte Schließung öffentlicher Telefonzellen, die sich für die Telekom nicht rechnen. Jede Telefonzelle, die nicht mindestens 50 Euro Jahresumsatz macht, soll dicht gemacht werden.
82 Telefonzellen sind in Münster betroffen, darunter auch einige in Hiltrup und Amelsbüren. Etwa in der Amelsbürener Dorfmitte an der Ottmarsbocholter Straße, am Kappenberger Damm am Alexianer-Krankenhaus, an der Westfalenstraße an der Bushaltestelle am Krankenhaus oder am alten Friedhof vor der Westfalenstraße; zudem an der Hohen Geest in Höhe der Bushaltestelle Im Dahl. Zdebel betonte, die Telekom habe den Auftrag, die Grundversorgung sicher zu stellen. Nicht jeder habe ein Handy-Telefon. Dabei rief er die in Vergessenheit geratene Innovationskraft der Deutschen Post in Erinnerung, die sie vor der Privatisierung an den Tag legt. "Damals gab es bereits eine Flatrate, wie sich die Älteren sicher erinnern werden", dozierte Zdebel. "Für 20 Pfennig konnte man unbegrenzt im Ortsnetz telefonieren. Ich war sehr zufrieden damit." Was Zdebel verschwieg: Das Telefonieren bereits in den Nachbarort war sündhaft teuer. Bei Ferngesprächen lief die Stoppuhr mit. Telefonieren im Telegrammstil war angesagt. Der Vertreter der Linken ist allerdings nicht der Einzige, dem die Telefonhäuschen ein Anliegen sind. Amelsbürens CDU-Ratsherr Stefan Weber kündigte gegenüber unserer Zeitung an, die beiden Amelsbürener Standorte zu verteidigen, "da sie ein Angebot der Daseinsvorsorge im Umfeld mehrerer Kilometer sind und eine Sicherheitsfunktion bilden."